HOLOCAUST MAHNMAL BERLIN 1995

Internationaler Wettbewerb für ein Holocaustdenkmal in Berlin gemeinsam mit dem Bildhauer Karl Prantl
Eine Aufgabenstellung bei der die üblichen Entwurfsparameter Form, Funktion und Technologie sekundär werden. Abgesehen von der Schwierigkeit (wenn nicht Unmöglichkeit) Unvorstellbares darzustellen und daher auch gar nicht versucht wurde. Auf dem riesigen Grundstück von ca. 20000m², sehr zentral südlich des Brandenburger Tors gelegen und umgeben von dichtem Verkehr, war eine kontemplative Atmosphäre zu schaffen. Karl Prantl fixierte seinen Beitrag in Form eines einzigen handgeschliffenen Steinquaders aus dunklem Labradorgranit 140 x 140 x 70 cm klein, der nun in Relation zu den 20000 m² zu setzen war. Aus städtebaulichen Gründen entschloß ich mich, die Eingänge an den Kreuzungspunkten der umgebenden Straßen zu setzten und das Areal diagonal zu durchwegen.

Der winzige Stein wird wie ein Gewicht im Schnittpunkt der Wege situiert und zieht die Oberfläche scheinbar wie durch Belastung pyramidenförmig nach unten. Die Wege fallen zu diesem 6 m tieferliegenden Punkt stetig ab und der Hinabgehende blendet sich dabei langsam aus dem Stadtlärm aus. Die Oberfläche des "Kraters" bleibt bis auf den Stein, eine Glasplatte für Kranzablagen und eine weiße Neonstele leer. Als Belag war Kohlensplitt
vorgesehen. Als äußere Raumbegrenzung auf der regulären Stadtebene begrenzen Heckenblöcke die Gehsteige.

Keine Zurschaustellung von Relikten sondern Schaffung einer Stimmung
- karg - sprachlos - leer.
Die Größe der Fläche ermöglicht das Einbeziehen des Faktors Zeit beim Durchgehen.

Das Projekt will
Unvorstellbares nicht darstellen...
Unsagbares nicht aussprechen...
Unersetzliches nicht auffüllen...

sondern zur Erinnerung freihalten

Wien,08.10.1995